Impuls

Juli

An deinen Satzungen habe ich meine Lust, will deine Worte nicht vergessen.

Psalm 119,16

 

Ich liebe die kräftige Sprache meiner Schlachter 2000 Übersetzung. Sie ist aber nicht die einzige, welche Anfang 19. Jahrhundert neu erschienen ist. Eine kraftvolle Sprache benutzt auch die Menge- Bibel. Ich benutze sie als meine Hauptbibel und erfreue mich immer wieder an Menges eigenem Zeugnis im Anhang seiner Übersetzung. In diesem porträtiert er die gebildete Bürgerschicht, in die er als Direktor eingebettet war und die, wie er schreibt, fast ausnahmslos ohne wirklichen Glauben war. Auch er durchlebte dies bis zu seinem 60. Lebensjahr: dem Wesen des Christentums und dem Inhalt der Bibel völlig fremd. Menge war Altphilologe und Geschichtslehrer. Bis zu diesem Zeitpunkt sorgte er als Direktor zweier niedersächsischer Gymnasien für die morgendlichen Schulandachten und die feierlichen Ansprachen bei Schulbeginn und -abschluss der Gymnasiasten. Auch war ihm ein Anliegen, dass die beiden Schulen als besonders christlich angesehen wurden.

Wie er schreibt, hat Gottes Geist sein Werk an ihm überaus langsam vollbracht. Und zwar so, dass er selber am Anfang von dieser Wirksamkeit nichts mit klarem Bewusstsein gemerkt hat. Da war also keine Damaskusstunde wie bei Paulus.

Herbst 1899 war es, als er in seinem Arbeitszimmer des Gymnasiums, wie schon seit Jahren, mit der Ausarbeitung von Morgenandachten für die Schule beschäftigt war. Da trat bei ihm die Erkenntnis von der Unwissenheit über die Bibel derart zu Tage, dass er sich tief und aufrichtig zu schämen begann. Er fasste nach Gebeten um göttlichen Beistand den Entschluss, sich zukünftig mit dem Bibelstudium zu befassen. Als er nach Ostern 1900 sein Schulamt niedergelegt hatte, wandte er sich nach zwei weiteren Jahren ausschließlich der Beschäftigung mit der heiligen Schrift zu.

Menges Übersetzung des NT wurde 1909 publiziert, das AT, an dem er 12 Jahre fast Tag und Nacht arbeitete, war 1922 vollendet. Er freute sich nach Beendigung der Arbeiten, wie er sagt, von ganzem Herzen über den köstlichen Gewinn, den die Beschäftigung mit der heiligen Schrift ihm eingebracht hatte. Er schreibt weiter: „Es war eine gewaltige Veränderung zum Guten in mir vorgegangen im Vergleich mit der Zeit, da ich zu dem großen Haufen der im Dunkeln tappenden Weltkinder gehört hatte“.

Drei Dinge sind mir bei Hermann Menge besonders aufgefallen. Er kam (erst) in seinem 60. Altersjahr zum Glauben. Ich persönlich kenne niemanden, der in diesem Alter zum Herrn fand. Zweitens zeigt sich, dass der Geist durch die Heilige Schrift selber den Menschen überführt. Drittens fand Menge mit 60 zu seiner wahren Berufung und beendete diese erst mit seinem Tod. Menges Zeugnis soll für uns eine starke Ermutigung sein, jedem Menschen, egal wie alt, Jesus zu bezeugen sowie Bibeln und Evangelien unseren Nächsten zu verschenken. Warum nicht eine Menge-Übersetzung bei Menschen in der zweiten Lebenshälfte?

Übrigens: Hermann Menges Syntax und Semantik zu Altgriechisch und Latein bilden noch heute (!!) die Grundlagen der Lehrbücher in diesen Disziplinen. Auch im Hebräischen war er sehr beschlagen. Und seine zusammenfassenden Überschriften schätze nicht nur ich überaus.

Sein Zeugnis selber ist sehr lesenswert und gibt übrigens eine gute Vorstellung, wie Deutsch noch vor hundert Jahren gesprochen wurde.

D. Vuille | Diakon der Baptistengemeinde Baden-Wettingen